Pilotprogramm zur Internationalisierung des RMB wird weiter aufgerollt

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Von Ersan Yükyapan

14. März – Ein wichtiger Schritt zur Internationalisierung des RMB war die Berechtigung für Händler, die chinesische Währung als Abrechnungswährung zu nutzen. Ein Pilotprogramm, das 2009 umgesetzt wurde, führte zu einer merklichen Erhöhung in der Anzahl und des Volumens der abgewickelten Geschäfte in RMB. Die Möglichkeit den RMB als Abrechnungswährung zu nutzen, wurde zudem geographisch ausgeweitet. Ein weiteres Wachstum bei der Nutzung der Währung bei Transaktionen wird deshalb auch erwartet.

Abbildung 1:

Verteilung des im Ausland als Abrechnungswährung genutzten RMB bis November 2010

Quelle:  China International Trust and Investment Corporation (CITIC) und BBVA Research

Hong Kong war die erste Jurisdiktion außerhalb des chinesischen Festlandes, der er es erlaubt war Interbank-Finanzprodukte anzubieten, die in RMB abgewickelt werden können. Deshalb können dort zum Beispiel Derivate, Einlagenzertifikate (Certificate of Deposits; CDs) und Anleihen (Bonds) gehandelt werden. Durch die neue Gesetzgebung sind nun Interbank- Transfers von Einlagen und Krediten, die in RMB benannt sind, unbegrenzt möglich. Hong Konger Unternehmen können so vorgehen, unter der Bedingung, dass das Kapital nicht das Land verlässt. Diese Vereinbarung mit der Hong Kong Monetary Authority (HKMA) war ein Meilenstein, der die Entwicklung Hong Kongs als Offshore-Zentrum erleichtert.

Meilensteine

Das Pilot-Programm von 2009 ermöglichte grenzübergreifenden Handel zwischen Hong Kong auf der einen Seite, sowie Shanghai und vier Städten aus der Provinz Guangdong auf der anderen. Die Nutzung des RMB als Abwicklungswährung im Ausland wurde durch Neuerungen am Pilot-Programm von 2010 einfacher und attraktiver gemacht. Vor 2009 konnten Transaktionen lediglich in US-Dollar abgewickelt werden, jetzt sind Importeure und Exporteure dazu berechtigt, Handelstransaktionen mit Onshore-Partnern in RMB abzuschließen. Händlern ist es nun erlaubt, begrenzte Profite in Hong Kong auf diejenigen Produkte zu erzielen, die in RMB abgewickelt wurden. Es ist seit dem 09. August 2010 möglich, dass RMB-Einlagenzertifikate mit einer Laufzeit von sechs Monaten bei allen HSBC-Filialen für Kunden von Handelsbanken, sowie Privatkunden von Banken erhältlich sind.

Diese Regelung ermöglicht Investoren Zinserträge zu erzielen, die bis zu zwei Prozent betragen können. Experten behaupten, dass es langfristig zu einem schnellen Anstieg bei der Zahl der grenzübergreifenden Transaktionen in RMB kommen wird. Durch die schrittweise erfolgende Aufwertung des RMB nimmt gleichzeitig die Attraktivität der Währung im Ausland zu. Um ein vergrößertes Anwendungsgebiet des RMB bei Offshore-Holdinggesellschaften zu gewährleisten, wird mittelfristig ein weiteres Pilotprogramm erwartet, dass die Abwicklung von Geschäften in RMB vereinfacht. Laut einer Analyse der BBVA Group, wäre eine Aufhebung von Restriktionen für den Zufluss von RMB aus dem Offshore-Markt zurück in das chinesische Festland, der in der Form von ausländischen Direktinvestitionen (FDI) und Portfolioinvestitionen erfolgt, eine erwünschte Änderung.

Der geographische Umfang des Pilotprogramms zur Abrechnung in RMB

Das Pilotprogramm umfasst 20 Provinzen, nämlich die folgenden Städte und Gebiete auf dem chinesischen Festland: die Städte Shanghai, Peking, Chongqing und Tianjin, sowie die Provinzen und Gebiete Guangdong, Zhejiang, Guangxi, Yunnan, die Innere Mongolei, Sichuan, Jiangsu, Shandong, Liaoning, Fujian, Hubei, Heilongjiang, Jilin, die Insel Hainan, sowie die autonomen Gebiete Xinjiang und Tibet. Das zusammengenomme Pilotgebiet ist für etwa 95 Prozent des chinesischen Außenhandels verantwortlich. Demnach ist beim Export nach China jedes Handelsunternehmen dazu berechtigt, den chinesischen RMB als Abrechnungswährung zu nutzen. Ausländische Unternehmen ist es zudem erlaubt, aus China importierte Güter in RMB abzurechnen.

Grenzüberschreitende Abrechnungen in RMB werden vorwiegend von asiatischen Unternehmen genutzt und konzentrieren sich hauptsächlich auf Hong Kong. Gegenwärtig befindet sich das grenzübergreifende Abrechnungsgeschäft in einer Entwicklungsphase. Es wird allerdings vorausgesehen, dass zur Erhöhung der Akzeptanz des RMB als Abrechnungswährung, mehr Zeit und Bereitschaft von den mit China handelnden Ländern benötigt wird.

Abbildung 2:

Projizierte geographische Ausweitung des RMB als Abrechnungswährung

Quelle: People’s Bank Of China (PBOC) und BBVA Research

Abbildung 2 illustriert den Prozess der geographischen Ausweitung des RMB. Die erste Stufe der Ausweitung betraf Hong Kong und Macao. Die zweite Stufe umfasste Indonesien, die Philippinen, Laos, Kambodscha, Myanmar, Vietnam, Thailand und Brunei. Die dritte Stufe wird Malaysia, Taiwan, die Mongolei, Korea und andere zentralasiatische Länder beinhalten. Die vierte Stufe wird Russland, Brasilien, die Türkei, Weissrussland, Argentinien und Island betreffen. Eine letzte Stufe, die in der Abbildung noch nicht angezeigt ist, wird ausgewählte Wirtschaften aus der übrigen Welt einschließen.

Die Perspektiven des RMB als Abrechnungswährung

Der Gebrauch des RMB als Abrechnungswährung kann positive und negative Auswirkungen für Handelsunternehmen und Multinationale Unternehmen mit sich führen. Zu diesem Zeitpunkt wird der RMB eher von chinesischen Händlern genutzt und nicht von Importeuren chinesischer Produkte. Laut BBVA, nutzen chinesische Importeure bei etwa 80 Prozent der Transaktionen den RMB als grenzüberschreitende Abrechnungswährung.

Abbildung 3:

Volumen der grenzüberschreitenden Nutzung von RMB als Abrechnungswährung (RMB in Milliarden)

Quelle: CITIC und BBVA Research

Diese Entwicklung ist die Konsequenz aus dem Versuch der Regierung ausländische Direktinvestitionen und deren Abrechnung in RMB zu gewährleisten. Bis jetzt haben sich dadurch Chinas große Devisenbestände nicht vermindert. Deshalb haben sich die kurzfristigen Absichten, die Anhäufung von Devisen zu verlangsamen nicht erfüllt. Letztendlich bedeutet die Internationalisierung des RMB nicht nur die Vergrößerung seiner Akzeptanz als eine weltweite Abrechnungswährung, sondern dadurch hat der RMB auch das Potenzial zu einer Reserve-Währung zu werden.

Abbildung 4:

Vor- und Nachteile der Nutzung des RMB als Abrechnungswährung

Quelle: CBI und BBVA Research

Im Moment ist diese Prognose jedoch weit von ihrer Bewahrheitung entfernt. Es ist eher möglich, dass sich der RMB als Referenzwährung in Asien etabliert. Zu diesem Zeitpunkt ist es schwer zu beurteilen, ob sich der RMB als Internationale Währung weiter durchsetzt. Es wird jedoch ersichtlich, dass sich der Wert des RMB zukünftig mehr an den Entwicklungen des Weltmarkts orientiert. China wird schon seit langem vom Westen aufgefordert den RMB weiter aufzuwerten, um die enormen Handelsüberschüsse abzubauen. Jedoch zeigt das Beispiel Japan aus dem Jahr 1985 die Problematik auf, die bei einer Währungsaufwertung entstehen kann, die dem Zweck eines Abbaus der Handelsüberschüsse dienen soll. Über Nacht entstand Japans Wirtschaft dadurch ein entscheidendes Problem. Durch die Aufwertung des japanischen Yen, verlor die am Export orientierte Wirtschaft des Landes einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Dennoch wird aus langfristiger Sicht eine Aufwertung des chinesischen RMB erwartet. Nach einer Meinung von Experten, wird es bis zum Ende des Jahres 2011 zu einer 5 prozentigen Wertsteigerung des Yuan gegenüber dem US-Dollar gekommen sein.  

Ersan Yükyapan ist bei Dezan Shira & Associates im Business Development tätig und beschäftigt sich unter anderem mit Internationalisierungsstrategien chinesischer Unternehmen.

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Financial Management“, die englischsprachige Ausgabe der China Briefing vom April.

Bei Fragen zu Wirtschaftsthemen, Steuern, Buchhaltung und Unternehmensgründungen in China kontaktieren Sie bitte Herrn Richard Hoffmann (Richard.Hoffmann@dezshira.com), Herrn Olaf Griese (Olaf.Griese@dezshira.com), oder Herrn Fabian Knopf (Fabian.Knopf@dezshira.com) von dem Beratungsunternehmen Dezan Shira & Associates.

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