Chinesisch-Deutsche Beziehungen: Durch bessere Wirtschaftsbeziehungen entstehen neue Chancen

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Autor: I-Ting Shelly Lin

Im Jahr 2017 sicherte sich China seinen Platz als Deutschlands größter Handelspartner im zweiten Jahr, in Folge.

Die beiden Länder sind 2014 in eine vollständige strategische Partnerschaft übergegangen und profitieren seitdem von Investitionen in den Bereichen Handel, Technologie und Innovation.

Nach dem Brexit und der US-Wahl von Präsident Trump, wurden China und Deutschland – als die zweit- und viertgrößte Volkswirtschaften der Welt – zunehmend aufgefordert, eine Führungsrolle, in globalen Wirtschaftsfragen einzunehmen.

China und Deutschland waren Gastgeber der letzten beiden G20-Gipfel, und beide betonen immer wieder die Notwendigkeit, die Globalisierung zu fördern, Investitionen zu erleichtern und den freien Handel, zu verteidigen.

Chinas Belt and Road Initiative (BRI) untermauert diese Ambitionen und Deutschland gilt als wichtigster europäischer Partner, in dem ehrgeizigen Projekt.

Infolge dessen dürften sich die deutsch-chinesischen Wirtschafts- und Geschäftsbeziehungen weiter verstärken.

Investitionserleichterung durch Industrieparks

Die deutsche und die chinesische Regierung haben einen zielorientierten Mechanismus für den Dialog in ihrer Fiskal- und Finanzpolitik etabliert und 2014 das Arbeitspapier „Program of Action for China-Germany Cooperatio” veröffentlicht.

Die Stärkung der industriellen Zusammenarbeit bezüglich Innovationen, ist ein wesentliches Ziel des gemeinsamen Programms, das in den Initiativen “Industrie 4.0” in Deutschland und China‘s “Made in China 2025” zum Ausdruck kommt.

Chinesisch-deutsche Industrieparks erfüllen die Ziele dieser Initiativen, indem sie Entwicklungen neuer Technologie ermöglichen und fördern.

• Der Chinesisch-Deutsch (Shenyang) Intelligent Equipment Manufacturing Park: Dieser ist ein wichtiger Knotenpunkt für intelligenten und fortschrittlichen Maschinenbau, zu seinen Partnern gehören globale Unternehmen wie BMW, Siemens und BASF.
• Der Kunshan German Industrial Park: Das Industriezentrum konzentriert sich auf kleine und mittlere Unternehmen (KMU) und richtet sich an amerikanische und europäische Unternehmen, die Expertise in hocheffizienter Produktion, Wissenschaft und Technologie, Umweltschutz und unabhängiger Markenführung bieten. Führende Industrien sind hier: Präzisionsmaschinen, Lebensmittelindustrie und Logistik.
• Der Deutsch-Chinesische Kooperationspark für Kleine – und mittelständische Betriebe: Diese befinden sich in den Regionen Pujiang und Chengdu in der Provinz Sichuan. Bis zum Jahr 2020 erwartet der Park mehr als 100 deutsche Unternehmen, die 10 Milliarden RMB umsetzen. Neben der Infrastruktur stellt die rund 100 Millionen Einwohner zählende Bevölkerung die notwendigen Arbeitskräfte für die hier ansässigen deutschen Unternehmen und Joint Ventures bereit. Die Berufsausbildung in dieser Region soll einheimische chinesische Studenten nach deutschen Standards ausbilden, was den Industriepark für deutsche Investoren sehr attraktiv macht.

Bei seinem Besuch in Berlin im Jahr 2017 unterzeichneten der chinesische Premierminister Li Keqiang und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel verschieden Kooperationsabkommen in den Bereichen Wirtschaft und Handel, Finanzen, Fahrzeuge mit alternativen Antrieben und künstlicher Intelligenz.

Im März diesen Jahres eröffneten die beiden Länder 11 Innovationsplattformen für die folgenden Sektoren: Elektrofahrzeuge, Bio Wissenschaften, sauberes Wasser, intelligente Fertigung und saubere Energie.

Deutschland hat sich außerdem bereit erklärt, den Verhandlungsprozess des Investitionsabkommens zwischen der EU und China zu beschleunigen, welches im Erfolgsfall, die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens, zwischen der EU und China beschleunigen könnte.

Chinesisch-deutscher Handel und Investitionen

Deutschlands Handel mit China stieg 2017 um 35 Prozent auf 230 Milliarden US-Dollar, verglichen mit 170,2 Milliarden US-Dollar im Jahr 2016.

 

Deutschland ist der größte europäische Investor, von in China operierenden Technologieunternehmen und chinesische Unternehmen investierten 2016, mehr als 2,95 Milliarden US-Dollar in Deutschland. Im selben Jahr startete Deutschland mehr als 300 neue Projekte in China im Wert von 2,71 Milliarden US-Dollar. Bis 2017 waren mehr als 8.200 deutsche Unternehmen in China tätig, was einer Gesamtinvestition von 67,34 Milliarden US-Dollar entspricht.

 

Neue Investitionsmöglichkeiten in China

Die starke Komplementarität der chinesischen und deutschen Wirtschaft erweitert den Spielraum für bilaterale Investitionen und Handelskooperationen.

China hat einen riesigen Binnenmarkt, ein etabliertes Produktions – Ökosystem, ausreichend Kapital, gut qualifizierte Arbeitskräfte und relativ niedrige, F & E-Kosten.

Deutschland ist seinerseits bekannt für seine wissenschaftlichen und technologischen Innovationen, seine fortschrittlichen Fertigungsindustrien, seine Berufsausbildung und seine kleinen und mittleren Unternehmen.

Chinas Bestrebungen, eine High-Tech-Wirtschaft zu entwickeln und den boomenden Luftfahrt- und Automobilsektor zu vergrößern, bieten laut deutscher Handelskammer ideale Möglichkeiten für deutsche Investoren. Deutsche Unternehmen haben jedoch eine gemischte Sicht auf Chinas ehrgeizige BRI-Initiative.

Laut der Wirtschaftsvertrauensumfrage 2017 der Deutschen Handelskammer, sind rund 30 Prozent der in China tätigen deutschen Unternehmen an der BRI beteiligt oder erwägen ihre Teilnahme. Gleichzeitig ist nur ein Drittel aller deutschen Unternehmen in China zuversichtlich, dass sich ihre Investitionen in dieses Projekt positiv auf ihr Geschäft auswirken werden.

Die meisten deutschen Investitionen in den BRI sind im Automobil- und Bausektor, mit fast 40 Prozent der Gesamtinvestitionen. Der Rest ist in Bereichen wie Logistik, Energie, Wirtschaft und Finanzen und Transport.

Nach Angaben der Deutschen Handelskammer machen 46 Prozent der am BRI beteiligten deutschen Unternehmen dies als Subunternehmer oder Zulieferer chinesischer Unternehmen.

Regionen für deutsche Investitionen in China

Die Region Taicang, in der ostchinesischen Provinz Jiangsu, beheimatet viele deutsche Unternehmen. Die Region ist bekannt für ihren leichten Zugang zum Jangtse-Delta und für seine große Bevölkerung.

Seit August 2016 hat Taicang mehr als 250 kleine und mittelständische deutsche Unternehmen mit einem Umsatz von 18,6 Mrd. RMB (2,72 Mrd. USD) angezogen.

Laut der, bereits erwähnten, Business Confidence Survey 2017, planen deutsche Unternehmen weitere Investitionen in Jiangsu, Guangdong, Sichuan und Chongqing.

Tier-1-Städte wie Shanghai, Peking, Guangzhou und Shenzhen bleiben auch wegen ihrer großen Bevölkerung und der ausgereiften Konsumgüternachfrage beliebte Standorte für deutsche Investitionen.

Herausforderungen für deutsche Investoren

Kristine Horbach, German Desk, bei Dezan Shira & Associates, stellt fest, dass die größte Herausforderung für deutsche Investoren das sich häufig ändernde regulatorische Umfeld Chinas und die Zusammensetzung seiner einzelnen Regionalregierungen sind.

“Viele deutsche Unternehmen haben über die Jahre Businesspläne und Strategien für China entwickelt, sind aber aufgrund neuer regulatorischer oder staatlicher Maßnahmen oft gezwungen, diese zu ändern, weil sie die Veränderungen bisher nicht berücksichtigt haben.”, so Frau Horbach.

Deutsche Investoren fühlen sich auch durch chinesische Eingriffe in ihre geistigen Eigentumsrechte bedroht. Sie sagte: “Wenn ein deutsches Unternehmen Technologie allein oder im Rahmen eines Joint Ventures in den chinesischen Markt einführt, besteht ein unmittelbares Risiko, dass die Technologie rechtswidrig kopiert wird. Dies hat zur Folge, dass deutsche Unternehmen Marktanteile verlieren und in Erwägung ziehen, ihre Investitionen abzuziehen. Hier ist eine vorausschaunede Stratgeie und Schutzrecht Absicherung wichitig.“

Bezüglich kultureller Unterschiede, kommentiert Frau Horbach aus subjektiver Erfahrung und Perspektive, dass die chinesische und die deutsche Kultur vergleichbaren Werte haben und auch ähnliche Lebensstandards. So seien beide Kulturen grundsätzlich konservativ und die Menschen mögen es Ruhig und komfortabel. Es sind beide bodenständige und keine verschwenderischen, abgehobenen Kulturen. Chinesen fühlen sich in Deutschland sehr wohl. Aus geschäftlicher Sicht erklärt Frau Horbach: “Die Chinesen schätzen den unkomplizierten und zuverlässigen Geschäftssinn und die Effizienz der Deutschen. Die Deutschen schätzen die Bemühungen und die Leidenschaft, mit der die Chinesen für Business-Projekte zusätzliche Arbeit auf sich nehmen, selbst wenn es für sie keinen zusätzlichen Ertrag bringt. Beide schätzen die gegenseitige Loyalität, hier steht Vetrauen oft mehr im Vordergurnd als der billigste Preis, sagt Frau Horbach, aus eigener Erfahrung.” „In der Geschäftspraxis ergeben sich dann jedoch wieder Unterschiede, da es unüblich ist in der chinesischen Geschäftskultur, dass Mitarbeiter Entscheidungen von Vorgesetzten oder genrell vorhandene Abläufe in Frage stellen. Dies kann zu Reibungen führen und auch Fortschritt bremsen im Unternehmen. Im Gegenzug finden Chinesische Kollegen das sehr Selbstbewußte Auftreten und Kompromissunfreudigkeit, der deutschen Kollegen als unangenehm.“ Sie fügt jedoch hinzu, das diese Kulturunterschiede zwischen Deutschen und Chinesen, sich leicht auf Deutsche und XY Nation, nur ein paar Grenzen entfernt, übertragen lässt. „Auch Franzosen sind indigniert, wenn Deutsche nicht erst eine Stunde über das Wetter parlieren, sonder sofort die Preisliste auf den Tisch legen“.

Zu den weiteren Reibungsflächen gehören die strengen Devisenkontrollen in China und Schwierigkeiten bei der Rückführung von Gewinnen in RMB.

Frau Horbach weist zudem darauf hin, dass bestimmte Investitionsbeschränkungen, wie zum Beispiel die Verpflichtung zur Gründung eines Joint Ventures, beidem deutsche Unternehmen nur bis zu einem gewissen Grad beteiligt sein dürfen, den deutschen Unternehmen das Gefühl geben, nicht unterstützt zu werden, vor allem wenn keine Beschränkungen für chinesische Unternehmen gelten, die in Deutschland tätig sind.

 

 

Ausblick

Frau Horbach kann aus Erfahrung bezeugen, dass im Vergleich den letzen Jahren, das Geschäftsmotto abgenommen hat “Man muss nach China” und einer Geschäftsstrategie die mehr einem experimentellen, temporären Engagement in China, folgte. In Hinblick auf neue strengere Gestze können sich deutsche Unternehmen auch nur dann in China etablieren, wenn sie eine gut geplante Geschäfts- und Investitionsstrategie haben.

Jedoch sieht Frau Horbach in China noch mehr Chancen als zuvor, aber nicht mehr als Produktionsland mit billigen Arbeitskräften, das Preisdumping erlaubt. So sagt sie“ In China haben Lohn- und Preissteigerungen dazu geführt, dass Investoren ihren Fokus auf die ASEAN-Länder oder Indien gerichtet haben. Jedoch wartet in China eine riesige Konsumentenschicht, unvergleichbar mit jeder anderen Nation. Diese sind beriet für Neues, technik und Hochwertiges, für den Alltag und Luxus viel auszugeben. Besonder atrraktiv, sagt Frau Horbach weiter, sei jedoch aber auch die einfache Erreichbarkeit der Zielgruppen und damit einhergehende Planbarkeit des Marketing und der Verkausfstrategie. Dank mobile marketing und Apps wie Wechat, weiß man bereits wo die Zielgruppe ist und wie man sie erreicht. Der E-commerce Markt, Internet Zugang und App Nutzung, sei Einzigartig, sagt sie“.

Da die Feindseligkeiten zwischen China und den USA in den letzten Monaten zugenommen haben, können deutsche Unternehmen im Reich der Mitte eine stärkere Führungsrolle übernehmen. Die Erfolge der Beziehungen zwischen China und Deutschland können nicht nur als Modell für viele mittel große Volkswirtschaften dienen, sondern auch für die Vereinigten Staaten.

In dieser Beziehung hält sich Deutschland an seine Prinzipien von Freiheit und Demokratie mit einer gleichzeitigen produktiven Kooperation, in der Feindseligkeiten mit China vermieden werden.

Ihre sich verstärkenden bilateralen Beziehungen zeigen, dass die beiden Länder in der Lage sind, ihre Differenzen wirksam zu bekämpfen, indem sie die Kerninteressen und Angelegenheiten des jeweils anderen respektieren, was nicht zuletzt durch ein gewisses Maß an sich überschneidenden wirtschaftlichen Interessen unterstützt wird.

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