Warum Ford in China und nicht in Mexiko investiert

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Ford’s China Plan

Die US-amerikanische Firma Ford Motor hat vor kurzem angekündigt, die Automobilproduktion in China zu expandieren. Ford hatte ursprünglich geplant, seine Ford Focus Modelle in Mexiko herzustellen, jedoch teilten Vertreter mit, dass die Entscheidung gefallen sei, die Focus-Produktion im Jahr 2019, nach Chongqing, China zu verlagern. Dies würde dem Hersteller helfen Umrüstungs- und Investitionskosten zu sparen.

Ford verkündete auf seiner Website: “Ford spart 1 Milliarde US-Dollar an Investitionskosten im Vergleich zu seinem ursprünglichen Focus-Produktionsplan“. Ferner teilt die Firma auch mit, dass der Plan, die finanzielle Gesundheit des Unternehmens verbessern soll und die Fertigungsskala in China verbessern wird. Ford-Präsident Joe Hinrichs, erklärte in einem Radio-Interview, dass der größte Vorteil des Umzugs sei, vorhandene Kapazitäten besser nutzen zu können und das Investment in eine zusätzliche Produktionsanlage zu vermeiden.

Große und kleine Fertigungsunternehmen haben in China lange Zeit vorwiegend mit dem Ziel operiert, Kosteneinsparungen zu erzielen. Ford kann sicherlich, durch die Neu-Investition in seine Fertigungsanlagen in China Kosten sparen, anstatt eine neue Fabrik in Mexiko aufzubauen. Jedoch wird neben den Kostenvorteilen oft das Marktpotenzial der chinesischen Automobilindustrie übersehen.


Hat Ford den richtigen Schritt gemacht
?

In einem Wort: Ja.

Thomas Ward, Präsident von dem Marktforschungsunternehmen, PIM China, sagte: “Ford hat Über-Kapazitäten in einem gut laufenden China-Werk mit einer etablierten Supply Chain. Es wäre nicht sinnvoll eine Anlage in Mexiko zu bauen.” Ward fügt hinzu: “Die Arbeitskosteneinsparungen in Mexiko, im Vergleich zu China, sind vernachlässigbar, da Ford wie viele andere, voll automatisierte Anlagen hat.”

Chinas Komponenten Hersteller können sich nun als entscheidender Faktor beweisen. Die Zahl der Zulieferbetriebe in China boomte von 4.300 im Jahr 2003, auf 10.000 im Jahr 2015. Das bedeutet, dass im Gegensatz zu den USA oder Mexiko, wo Teile aus einer Vielzahl von Orten geliefert werden müssen, Autos in China kostengünstig zusammengestellt werden können, aufgrund kürzerer Lieferketten.

John Niggl, Client Manager für InTouch Manufacturing Services, einer Inspektions- und Fabrikprüfstelle, stellt neben den Produktionseinsparungen einen weniger bekannten Vorteil fest: “Die Produktion in China ermöglicht es multinationalen Autoherstellern, auf dem lokalen Markt viel einfacher zu konkurrieren, aufgrund der Einsparung von hohen Importzöllen, die andere Importeure entmutigen. Diese Vorteile werden Ford höchstwahrscheinlich rentabler machen und zudem können die Kosten für die Verbraucher gesenkt werden.”

Ford erlebte in China bereits Rekordverkäufe. Seit 2014 ist der Umsatz um 14 Prozent auf 1,27 Millionen Stück gestiegen. Der Ford Focus Umsatz ist seit 2015 um mehr als 8 Prozent gestiegen in China. Im Gegensatz dazu sank der Umsatz von Ford Amerika im Jahr 2016 und die Nachfrage nach dem Ford Focus auf diesem Markt, ist seit 2016, um 20 Prozent gesunken und fällt weiter.

Die Verbesserung von Fords Marktanteil in China hat große Bedeutung für das Unternehmen. Die verstärkte Produktion in China wird dazu beitragen, dass Ford ein kostengünstiger, direkter Versorgungskanal zum lokalen chinesischen Markt wird, in dem Ford mit GM und Volkswagen konkurriert – beide sind dort im Moment stärker als Ford hinsichtlich Vertrieb und Marktanteil.

Die Gewinnmöglichkeiten für Ford sind hoch. Der chinesische Pkw-Absatz im Jahr 2016 betrug 23,6 Millionen, mehr als der Umsatz in den USA und Mexiko zusammen (ca. 17,5 bzw. 1,6 Millionen). Trotz dieser beeindruckenden Zahlen, ist die Marktdurchdringung in China nach wie vor niedrig, im Vergleich zu den USA und Mexiko. Im Jahr 2016 lag Chinas Kfz-Besitz pro 1000 Menschen nur bei 140 Autos. Im Vergleich dazu lag der Durchschnitt in den USA im Jahr 2014 bei 797 und in Mexiko, bei 275.

Als weiterer Vorteil gilt, dass Fertigungsstätten in China einen besseren Zugang zu dem ASEAN Absatzmarkt bieten. Die Fahrzeugverkäufe in den Philippinen und Vietnam sind im vergangenen Jahr um mehr als 30 Prozent gestiegen, während der Absatz in Singapur sogar um 43 Prozent gestiegen ist. Dieses Wachstum wird seit dem Jahr 2005 durch verschiedene China-ASEAN-Handelsabkommen ermöglicht, welche einen besseren Markteintritt für Hersteller bedeuten.

Welche Gründe für das Investment wurden nicht offiziell genannt ?

Neben Kosteneinsparungen und Marktzuwachs, kann Ford von einer Reihe von Anreizprogrammen der chinesischen Regierung profitieren, die Fremdinvestitionen in die Automobilindustrie Chinas fördern. Die chinesische Regierung ist sich bewusst, dass Hochleistungsindustrien dazu beitragen, künftig das BIP zu stärken und Wachstumsziele zu erreichen. Aus diesem Grund können regionale Verwaltungen in China, den Herstellern attraktive Anreize geben. Zum Beispiel hat Chongqings Langjiang New Area für chinesische und ausländisch finanzierte Industrien eine Senkung der Einkommensteuer um 15 Prozent geplant bis zum Jahr 2020. In genau diesem Gebiet befindet sich das Werk von Ford.
Chinas Zentralregierung sieht die Automobilindustrie als großen Pfeiler an. Dies bedeutet, dass die Regierung nationale Steuersenkungen, Subventionen und Infrastrukturentwicklung vorsieht, um ein positives Wirtschaftsumfeld für Automobilhersteller zu schaffen, um diese anzuziehen. Erste Auswirkungen wurden im Jahr 2016 beobachtet, als die Kleinfahrzeugsteuer um die Hälfte, von 10 auf 5 Prozent, gekürzt wurde.

 

Ford hat in der Tat vor kurzem von einem Anreizsystem profitiert. Die Firma hat im April angekündigt, die lokale Produktion und den Verkauf von zwei neuen Elektrofahrzeugen (EVs) in China zu erhöhen. Das Unternehmen bringt zum Ausdruck, dass die chinesischen Entscheidungsträger ihren Fokus auf Nachhaltigkeit verdeutlicht hätten und eine starke Resonanz, sowohl im staatlichen als auch im privaten Sektor, sichtbar sei.

Die Regierungsinitiativen “Go West” und “One Belt, One Road” liefern ferner die nötige Infrastrukturentwicklung für ein Wirtschaftswachstums und Wachstum des Konsums, in den noch unterentwickelten westlichen Provinzen des Landes. Ward bemerkt: “Die neuen Infrastruktur-Entwicklungspläne sind attraktiv für jeden, der in China produziert.”

Wie wird der Plan von Ford aufgenommen werden?

“Es ist schwer, gegen Fords Entscheidung zu argumentieren, die Produktion nicht nach Mexiko zu verlegen”, sagt Niggl. Der Arbeitsplatzverlust in der Fertigungsbranche war ein schmerzhafter Punkt für die Wähler in der letzten US-Präsidentschaftswahl. Niggl ist jedoch der Ansicht, dass der Glaube man könne Arbeitsplätze wieder gewinnen durch das Zurückverlegen von Fertigungsjobs, unbegründet sei. Er erklärt: “Die Automatisierung, nicht das Outsourcing, war der ausschlaggebende Beitrag für den Arbeitsplatzverlust in der Fertigungsbranche.”

Fords Entscheidung in China zu expandieren und nicht in Mexiko oder Amerika zu investieren, überrascht erfahrene China Experten nicht. Ward sagt: “Ich denke, dass andere Hersteller es als einen praktischen Schritt sehen werden, der auf Produktionseffizienz und Marktzugang basiert.” Er fügt hinzu: “Die heranreifende Wirtschaft, mit einem ständig wachsenden Mittelstand, der Autos kauft, macht China zu einem soliden Investment.”

Die Entscheidung von Ford zeigt, dass China auch in den kommenden Jahren eine globale Stärke haben wird im mittleren Marktsegment der Automobilwirtschaft. Es ist nicht eine Frage, ob China weiterwachsen wird, sondern wie das Wachstum aussehen wird. Die meisten Hauptakteure aus der Automobilbranche sind bereits in China tätig. Die Entscheidung von Ford wird den Wettbewerb an der Spitze weiter verschärfen und den Anteil an hochwertigen Produkten, sowie die Entwicklung von E-Fahrzeugen und grünen Technologie weiter vorantreiben.

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