Ausländische Führungskräfte müssen in China Sorgfalt walten lassen

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Op-Ed Kommentar: Chris Devonshire-Ellis

Aug 29. – Mit den neuen Nachrichten, dass der Britische Berater Peter Humphrey im Zuge der GSK Ermittlungen wegen Bestechung formell verhaftet wurde, müssen ausländische Führungskräfte zur Kenntnis nehmen, dass in China Maßnahmen gegen illegale Aktivitäten verschärft werden.

Während der Jiang Zemin und Zhu Rongji Ära (und bis zu einem gewissen Ausmaß auch Hu Jintao und Wen Jiabao) tendierte China dazu ausländische Führungskräfte und ausländische Staatsangehörige allein zu lassen; insbesondere die, die aus dem Westen kamen. Umsichtiger Umgang mit der Medienpräsenz und sich der Tatsache bewusst sein, dass es lange misslungen war gegen dubiose chinesische Zulieferer vorzugehen, wurde Führungskräften einiges an Spielraum gelassen, was deren Verhalten in diesem Land angeht. Entsprechend gab es in dieser Zeit viele kleinere Missbräuche und technische Rechtsverletzungen des chinesischen Rechts. Beispiele sind Führungskräfte, die in China nur mit einem Touristen-Visum arbeiteten, Representanzbüros, die in RMB abrechneten, oder Firmen die chinesische Arbeitnehmer schwarzarbeiten ließen; und China hat bisher ein Auge zugedrückt. Diese Tage sind jetzt vorbei.

Während es immernoch unklar ist, welcher Verfehlungen Humphrey beschuldigt wird, ist ein Grund der häufig genannt wird, dass er „Private Informationen” gekauft hat – eine Straftat in China. Falls dies bestätigt werden sollte, würde Humphrey seltsamerweise in die gleichen Gefilde treiben, wie frühere „Whistleblower” wie zum Beispiel Assange, Manning und Snowden – mit einem entscheidenden Unterschied – hier hat Geld die Hand gewechselt, um illegal Informationen zu beschaffen. Unabhängig davon, ob man die Parameter dafür als  (??) versteckte Informationen für ein Rennpferd, Insider-Geschäfte an der Boerse, oder die wichtigsten Fakten von  kommunistischen Partei funktionäre betrachtet, es bleibt dabei, dass sobald Geld die Hand wechselt, besteht ein korrumpierender Einfluss.

Was deutlich wird ist folgendes: Da Humphrey formell verhaftet wurde, ist es so gut wie sicher, dass er angeklagt wird, und wenn dem so ist, ist es höchstwahrscheinlich das ihm der Prozess gemacht wird. Da 98 Prozent der Prozesse in China mit einem Schuldspruch enden, und da die Ämter wissen müssen, dass dieser Fall von den internationalen Medien verfolgt wird, scheint es, als ob Humphrey wahrscheinlich wirklich an illegalen Geschäftsmethoden beteiligt war. Es ist ausserdem unwahrscheinlich, dass Humphrey sich nicht den potentiellen Konseqeunzen illegaler Handlungen bewusst war, da er lange in China fungiert hat und fließend Mandarin spricht. Naivität im Bezug auf China seinerseits kann ausgeschlossen werden. Der Unterschied ist, dass dubiose Geschäftspraktiken in der Vergangenheit zwar toleriert wurden, aber das heute nicht mehr der Fall ist. Was auch immer Humphrey getan hat, er wurde erwischt und muss sein Handeln jetzt vor Gericht erklären. Wahrend es immernoch ungewöhnlich ist, dass gegen ausländische Führungskräfte eine Strafanzeige gemacht wird, sollte dies nicht dazu genutzt werden die Tatsache zu verschleiern, dass es Konsequenzen geben wird, wenn Gesetze gebrochen werden. Als ein Britischer Staatsbürger, der in einem hoch entwickelten Strafrechtssystem aufgewachsen ist und einen beruflichen Werdegang hat, der eine Station bei PwC beeinhaltet, muss Humphrey sich den Risiken eines Geldangebots für solche Informationen sehr wohl bewusst gewesen sein. Die Verhaftung von ihm und seiner Frau, welche zusammen die Betrugsuntersuchungsfirma ChinaWhys geleitet haben, bedeutet wahrscheinlich auch das Ende seiner Firma, was wenig Entlohnung für seine Arbeitsjahre zurücklassen wird.

Die Not Humphreys überschneidet sich mit der „Verschärfung” der Visabestimmungen für Ausländer. Dies kam ebenfalls nach den Skandalen der polizeilich gesuchten, ausländischen Pädophilen, die in chinesischen Grundschulen beschäftigt waren und eine ganze Reihe ausländischer Arbeitssuchender, die sich „durchmogelten” und in Positionen waren, für die sie nicht geeignet oder qualifiziert waren. Als Konsequenz ist es für China-Jobbewerber jetzt zwingend erforderlich mindestens zwei Jahre relevanter Arbeitserfahrung zu haben, bevor sie für eine Arbeitserlaubnis und ein Arbeitsvisum überhaupt in Frage kommen (was ich sehr hart für Praktikanten finde, die chinabezogene Arbeitserfahrung suchen), und Peking hat eine nee Regelung eingeführt, welche von allen Auswanderern einen Strafregisterauszug fordert – eine Regelung, die fast sicher bald in allen größeren Städten in Kraft tritt.

Das China nun schärfer vorgeht, sollte keine wirkliche Überraschung sein. Das Land war über die Jahre recht tolerant mit Auswanderern, die in China ankamen und Jobs fanden, sogar als Bar-Personal oder als unqualifizierte Englischlehrer in Schulen (letzteres ein Missbrauch, welcher in deren eigenen Ländern nicht toleriert werden würde). Chinesische Einwanderungsbehörden haben auch darüber hinweggesehen, dass Führungskräfte China mehrere Male mit Touristenvisumisa betreten hatten. Warum nicht einfach eine Arbeitserlaubnis beantragen? Das konstante Bewerben für solche Visa ist ein Indiz dafür, dass etwas nicht in den Arbeitsplätzen der Ausländer stimmte, und somit entsteht der Eindruck, dass diese eine „niedrige Qualität” haben oder sogar unerwünscht sind. Die Vereinigten Staaten und die EU gehen hart gegen illegale Einwanderung vor, wohingegen China sehr lax war. Das heißt aber nicht, dass dies so weiter gehen wird, und das wird es auch nicht. Mit hohen Arbeitslosenquoten in Europa, und bis zu einem gewissen Grad auch in den USA, ist eine Welle nicht gerade talentierter oder sogar erwünschter Ausländer in China angekommen, um einen Job zu bekommen. Unglücklicherweise haben manche bewiesen, dass sie mehr problematisch als nützlich für die chinesische Wirtschaft sind.

Dementsprechend, obwohl die Schlagzeilen andeuten, dass China gegen Ausländer „hart durchgreift”, ist das nicht wirklich wahr. Das Land möchte die besten Talente anlocken und sich gegen die mittelmässigen und potenziel kriminellen absichern. Gleichzeitig macht es Langzeit Auswanderen klar (Einige können sehr arrogant werden, um ehrlich zu sein) das sie sich an das Gesetz halten müssen.

Einige Langzeit Auswanderer scheinen zu meinen, dass sie so gut vernetzt sind und China so gut kennen, dass sie das Rechtssystem penetrieren können und ausserhalb des Gesetzes ohne Gefahr arbeiten koennen. Nochmals, dies mag der Fall in der Vergangenheit gewesen sein, aber ist heute nicht mehr der Fall.

Das sowohl Langzeit Auswanderer in China als auch Auswanderer, die neu in China sind, betroffen sind ist irrelevant. Vor Fünfundzwanzig Jahren, als ich in China anfing zu arbeiten, wurde mir ein einfacher Ratschlag gegeben – „Bedenke immer, dass du ein Gast in China bist”. Dies ist immernoch wahr und die einfache und zumutbare Botschaft für heutige Auswanderer in China ist: Halt dich an das Gesetz. Und das ist durchaus gerechtfertigt, wenn man in diesem Land Karriere machen möchte.

Chris Devonshire-Ellis

Chris Devonshire-Ellis Chef der Gruppe, Dezan Shira & Associates, – ein Spezialist für Auslandsinvestitionen, das Unternehmensgründung und –beratung, Steuerberatung und –erklärungsdienste, Buchhaltung, Lohn- und Gehaltsabrechnung, Due Diligence und Finanzanalysen für multinationale Investoren im aufstrebenden Asien.

Bei Fragen zu Wirtschaftsthemen, Steuern, Buchhaltung und Unternehmensgründungen in Asien kontaktieren Sie bitte:

Fabian Knopf, Sr. Associate, Co-Head of German Desk, Dezan Shira & Associates
Fabian.Knopf@dezshira.com

Silke Neugebohrn, Sr. Associate, Co-Head of German Desk, Dezan Shira & Associates
Silke.Neugebohrn@dezshira.com

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