Führungsverantwortung in China (Teil 2/5)

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Vertrauen und Verlässlichkeit – die Grundlage für erfolgreiche Zusammenarbeit

Von Martin Brandstötter

04. Juli – Es gibt eine Kompetenz, die uns Menschen besonders erfolgreich macht: die Fähigkeit zu kooperieren. Einzelkämpfer gelten nicht als besonders effizient, im Gegenteil: vor allem die Zusammenarbeit von Menschen stellt die Grundlage für Fortschritt dar.

Im Wirtschaftsleben ist es oft so, dass wir unsere Auftraggeber, Geschäftspartner und Kunden kaum kennen. Was brauchen wir also, um mit anderen Menschen zu kooperieren? Aus meiner Sicht sind es vor allem zwei Faktoren: Vertrauen und Verlässlichkeit.

Diese beiden Bereiche – Vertrauen und Verlässlichkeit – erleben aber gerade im interkulturellen Spannungsfeld immer wieder erhebliche Belastungen. Natürlich ist es schwierig, wenn wir die Sprache unserer Mitarbeiter nicht verstehen. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Gepflogenheiten, Bräuche, Körpersprachen, die uns an die Grenzen unseres Verständnisses bringen.

Ja, es stimmt: interkulturelle Missverständnisse sind für jedes Unternehmen eine Herausforderung, denn sie stellen eine Gefahr für Vertrauen und Verlässlichkeit dar. Gleichzeitig warne ich davor, sich die Dinge zu einfach zu machen: nicht alle Probleme muss man durch die interkulturelle Brille betrachten.

Es gibt viel Literatur und Interpretationsversuche zum chinesischen Guanxi-Begriff. Guanxi ist das Netzwerk persönlicher Beziehungen, die auf einem Vertrauensverhältnis aufgebaut sind. Dass für enge Verbindungen und den damit verbundenen hohen Respekt vor allem die zeitliche Komponente besondere Bedeutung hat, ist leicht nachvollziehbar.

Aus der Perspektive eines Organisationsentwicklers meine ich, dass hier ein Knackpunkt für europäisch-chinesische Unternehmen liegt: Expats verbringen im Schnitt 29 Monate vor Ort. Eine relativ kurze Zeitspanne, um als Führungskraft die eigene Verlässlichkeit zu beweisen – zumal die chinesischen Mitarbeiter wissen, wie kurz die „Halbwertszeit“ ihrer Vorgesetzten ist.

„Ich will wissen, was das Ziel des Unternehmens ist und was der Plan für meine Laufbahn ist. Da brauche ich Zusagen, auf die ich mich verlassen kann“, berichtete mir ein chinesischer Programmierer, der in einem internationalen Konzern tätig ist. „Und mein Chef soll nur Dinge zusagen, die er auch halten kann“, war der Nachsatz in Richtung Headquarter. Wenn die Entscheidungen einer Führungskraft von der Firmenzentrale overruled werden, ist das für die Glaubwürdigkeit alles andere als förderlich.

Doch was bedeutet all dies für Ihre Arbeit in China?

  1. Vertrauen und Verlässlichkeit ist aus meiner Sicht nicht zwangsläufig ein interkulturelles Thema: Auch in Deutschland und Österreich wünschen sich Mitarbeiter einen Chef, auf den sie sich schlichtweg 100-prozentig verlassen können.
  2. Gerade weil bei der Zusammenarbeit zwischen Europäern und Chinesen die interkulturelle Komponente mitschwingt, empfehle ich jeder westlichen Führungskraft: Setzen Sie alles daran, um verlässlich zu sein.
  3. Dabei hilft es, sich mit der eigenen Rolle auseinander zu setzen und festzulegen, wie Sie diese Glaubwürdigkeit täglich aufs Neue zum Ausdruck bringen werden.
  4. Weiters ist es dabei notwendig, mit der Unternehmenszentrale den eigenen Entscheidungsfreiraum zu definieren.
  5. Wenn Ihre chinesischen Mitarbeiter erkennen, wie sicher Sie in Ihrer Position auftreten, werden sie besser mit Ihnen zusammenarbeiten. Denn jetzt können sie Ihnen vertrauen.

Die Fähigkeit zu kooperieren macht uns Menschen erfolgreich. Dazu kommt die Kompetenz, anderen Menschen zu vertrauen. Dies stellt wohl eine der größten Herausforderungen für interkulturelle Organisationen dar. Selbst wenn es anstrengend ist, es führt auch immer wieder zu einer Frage zurück: „Welchen Beitrag kann ich selbst leisten, um als glaubwürdig wahrgenommen zu werden?“

Der Autor Martin Brandstötter begleitet mit der Unternehmensberatung Zielwerk Organisationsentwicklungs- und Changeprozesse und berät Führungskräfte. Der akademische Coach arbeitet auf Deutsch, Chinesisch und Englisch.

Hier können Sie Teil 1Teil 3, Teil 4 und Teil 5 der fünfteiligen Serie lesen.

Bei Fragen zu Wirtschaftsthemen, Steuern, Buchhaltung und Unternehmensgründungen in China kontaktieren Sie bitte Herrn Richard Hoffmann (Richard.Hoffmann@dezshira.com), Herrn Olaf Griese (Olaf.Griese@dezshira.com), oder Herrn Fabian Knopf (Fabian.Knopf@dezshira.com) von dem Beratungsunternehmen Dezan Shira & Associates.

3 responses to “Führungsverantwortung in China (Teil 2/5)”

  1. […] können Sie den 1. Teil, 2. Teil und 4. Teil dieser fünfteiligen Serie […]

  2. […] können Sie den 1. Teil, 2. Teil, 3. Teil und 5. Teil dieser fünfteiligen Serie […]

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