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Chinas Vorschlag der Freihandelszone “Neue Seidenstraße”

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Der chinesische Präsident Xi Jinping war letztes Jahr stark mit Zentralasien beschäftigt und hat die Region bereist, inklusive Besuchen in Turkmenistan, Kasachstan, Usbekistan und Kirgistan. Zudem hat er die Errichtung einer neuen Seidenstraße vorgeschlagen, die Freihandel in ganz Zentralasien miteinschließt. Dies tat er gemeinsam mit führenden Persönlichkeiten der Shanghai Cooperation Organisation (SCO).

Die SCO ist ein internationaler Zusammenschluss, der China, Kasachstan, Kirgistan, Russland, Tadschikistan und Usbekistan umfasst, während Afghanistan, Indien, Iran, die Mongolei und Pakistan Beobachterstaaten sind. Weißrussland, Sri Lanka und die Türkei sind Dialogpartner und ASEAN, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) und Turkmenistan sind Gaststaaten.

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Xi verspricht sich in Zentralasien neue Märkte zu finden und Einfluss auf die großen Öl- und Gasreserven der Region zu erhalten. Zudem hofft er das Konfliktpotential zu minimieren, das auf Chinas autonome Region Xinjiang überspringen könnte. Dies versucht er durch die flächendeckende Steigerung des lokalen Einkommensniveaus und Vermögens zu erreichen. Xi hat öffentlich bekundet, dass die entsprechende Gegend „annähernd 3 Milliarden Menschen umfasst und den größten weltweiten Markt darstellt, mit entsprechendem unvergleichlichem Potential“.

Seidenstraße

Das endgültige Ziel des vorgeschlagenen Wirtschaftsgürtels Seidenstraße ist es infrastrukturelle Verbindungen zu schaffen und anschließend Handelspunkte den ganzen Weg entlang bis nach Europa zu entwickeln. Seit Dschingis Khan seine Krieger bis an die Tore Moskaus geführt hat, gab es keine solch gigantische Westexpansion aus Asien mehr. Russlands offizielle Linie gegenüber der Expansion in ehemaliges russisch-beherrschtes Gebiet ist, entsprechend der allgemeinen russischen Mentalität, wahrscheinlich eher von Pragmatismus als von Emotionen geprägt. Die offizielle PR-Aussage des Kremls lässt verlauten, dass die russischen und die chinesischen Wirtschaften komplementär zueinander sind. So würde etwa Chinas „beträchtliche finanzielle Ressourcen“ die „russischen Technologien, industrielle Fertigkeiten und die historischen Beziehungen zur Region“ ergänzen, so der russische Präsident Vladimir Putin.

Dementsprechend macht Xis Strategie Sinn. China ist die einzige Kraft in Zentralasien, die finanzielle, militärische und von der Massenbevölkerung getragene Unterstützung anbieten kann. Nun ist China bereit, jenes Zentralasien, dass seit Zeiten der Sowjetunion in Punkto Modernisierung hinterher hinkt, zu transformieren. Frieden soll durch Handelsermutigung abgesichert werden, und China will helfen, die Infrastuktur zu erweitern – und dies in so einem Ausmaß, dem es Russland in letzter Zeit scheinbar nicht möglich war.

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Da die Region außerdem von Regierungen beherrscht wird, die eine ähnliche Denkweise wie die KPCH haben, passen die politischen Dynamiken gut zusammen. Das bedeutet, dass wahrscheinlich eine Achse China-Russland-Iran handfeste Interessen an europäischen Märkten entwickeln wird, welche die politischen Beziehungen und die Handelsbeziehungen der Ländergruppe mit Regierungen und Ländern der EU und darüber hinaus beeinflussen wird.

Im Moment hat Chinas Ziel bei der Entwicklung der Seidenstraße hingegen vor allem mit Energie zu tun. Dem Land fehlt es an Energie und deshalb muss es einen großen Anteil seines Öls und Gases importieren. Die Handelsrouten über Zentralasien wiederzubeleben, würde China Zugang zu zahlreichen Vorkommen sichern. Manche dieser Vorkommen verwandeln bereits jetzt die Volkswirtschaften ganzer zentralasiatischer Länder.

Jenseits der Kalkulation um Energie, bringt die Route auch großes Potential für den Handel. Dies ist nicht zuletzt deshalb entscheidend, weil China erkannt hat, dass Friedenserhaltung in einer unruhigen Region sehr wichtig ist. Ürümqi ist jetzt bereits Zentralasiens wohlhabendste Stadt und das liegt auch daran, dass Uiguren davon abgehalten werden, für zu viel Autonomie einzutreten.

Xis vorgeschlagener Seidenstraßengürtel würde sich auf Freihandel, Verbundenheit und Währungszirkulation (in RMB) konzentrieren. Das wurde nur dadurch möglich, da Grenzstreitigkeiten zwischen Russland und seinen ehemaligen zentralasiatischen Alliierten nun größtenteils gelöst sind. Die GUS erlaubt ihren Mitgliedern nun gegenseitig visafreie Einreise. Das passt genau zu Chinas Vorhaben seinen fernen Westen in Xinjiang zu entwickeln.

Peking investiert bereits jetzt massiv in neue Straßen und Brücken in der Region. Dies geschieht über eine Fülle von Einzelprojekten. Die Verbindung dieser Länder untereinander ergibt ein Netzwerk aus Autobahnen, Schienen, Glasfaserleitungen und Pipelies – und durch das zusätzliche Forcieren von Logistikzentren, Industrieknotenpunkten und damit schließlich die unvermeidbare Errichtung neuer Städte und Dörfer. Die Seidenstraße ist dazu bestimmt, Realität zu werden.

Kommentar von Lutz Berners:

Die chinesische Ursorge ist Instabilität, sowohl intern als auch in den Außenbeziehungen. Daher passt die Initiative der „neuen Seidenstraße“ gut ins Bild. Intern gibt es signifikante Potentiale für Instabilität an den Grenzen im Westen des Landes; diese Regionen nun zu regionalen Handelsstützpunkten auszubauen, ist ein geschickter und sicherlich auch in den Regionen gern gesehener Zug und eine logische Weiterführung der bestehenden binnenökonomischen Förderpolitik. Außenpolitisch gesehen vermindert der steigende Handel mit den Nachbarn das Konfliktpotential. Dass China momentan aus einer Position der wirtschaftlichen Stärke agieren kann, ist für die Initiative sicherlich zuträglich. Viele angrenzende Länder schauen mit Interesse auf das chinesische Wirtschaftsmodell. Hierbei sollten die Nachbarn sich immer bewusst sein, dass China, wie jeder souveräne Staat, im eigenen Interesse handelt, und dass man diese Interessen gut verstehen sollte. Sonst kann es schnell zu Missverständnissen und Verstimmungen kommen.

 

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Einführung in die Geschäftstätigkeit in China einfurhung-in-die-geschaftstatigkeit-in-china Diese Publikation soll in die wichtigsten Aspekte der Investitionstätigkeit einführen, basierend auf der Expertise von Dezan Shira & Associates. Unter anderem werden die Gründung und Führung eines Unternehmens unter die Lupe genommen, und die wichtigsten Steuern in China durchleuchtet. Ferner wird erläutert, wie ein Unternehmen Mitarbeiter in China einstellen kann und die wichtigsten Verpflichtungen diesen gegenüber erklärt.

Das Handbuch für Chinamanager das handbuch für chinamanager_cover Die vielen unglücklichen Geschichten von Expats, deren Name auf der „schwarzen Liste“ gelandet ist oder die in China aufgrund rechtlicher Maßnahmen „festsitzen“, motivieren dazu, der Auswahl von Personen in Schlüsselpositionen in ausländischen Unternehmen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Im Handbuch für China-Manager möchten wir die verschiedenen Positionen in einem Unternehmen und die verbundenen Konsequenzen genauer beleuchten.

Steuervorteile durch den Wechsel von Repräsentanz (RO) zur WFOE

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Company-ChopEs gibt viele Gründe, weshalb die Gründung einer Repräsentanz (Representative Office – RO) in China für ein Unternehmen von Vorteil ist – das unkomplizierte Registrierungsverfahren und die damit verbundenen geringen Kosten sind nur einige davon. Wenn Unternehmen den chinesischen Markt austesten wollen oder nur einen Außenposten gründen, der zur Recherche oder Unterstützung der Tätigkeiten dient, dann ist ein RO der optimale Weg für den Einstieg.

Es gibt sicherlich einige Arten ein RO effektiv zu nutzen, aber sobald das Unternehmen an den Punkt gelangt, wo eine Expansion unausweichlich wird, oder aber die Kosten zu hoch werden, wird es über den Handlungsspielraum eines RO hinauswachsen und ab diesem Punkt ist ein RO nicht mehr kosteneffizient. Man muss im Hinterkopf behalten, wie die Besteuerung eines RO funktioniert. ROs werden nach Ausgaben besteuert, welche ziemlich beachtlich sein können, wenn man Miete, Gehälter und andere variable Kosten berücksichtigt.

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Chinas Regulatory Brief: Gesetzesentwurf für Auslandsinvestition, MwSt. Rabatt für Touristen

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China weitet die Regelung des MwSt. Rabattes für Touristen landesweit aus

Am 06. Januar hat das Finanzministerium die „Ankündigung der Umsetzungsbestimmungen für MwSt. Rabatte von ausreisenden Touristen (MOF Announcement [2015] No. 3)“ veröffentlicht, gültig mit sofortiger Wirkung. Laut der Bekanntmachung, ist es ausländischen Touristen (es handelt sich dabei um Ausländer, die sich in China weniger als 183 Tage aufhalten) möglich, für Waren, die sie in bestimmten Gegenden erwerben und für die eine Rückerstattung zulässig ist, eine MwSt.-Rückerstattung in Höhe von elf Prozent, zu erhalten. Der Schwellenwert für die MwSt.-Rückerstattung liegt bei RMB 500. 2011 hat China diese Verfahrensweise als Pilotprojekt in Hainan ins Leben gerufen. Das Land plant derzeit die landesweite Ausdehnung der Steuerrabattpolitik, um die heimische Tourismusindustrie anzukurbeln.

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Der Antragsprozess für eine chinesische Arbeitserlaubnis

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Von Hanno Rademacher

Die chinesischen Visa- und Einreisebestimmungen wurden in der jüngeren Vergangenheit mehrmals reformiert und sorgen mitunter für Verwirrung bei den Antragstellern. Dies gilt nicht nur für die Auswahl der für die jeweiligen Umstände passenden Visakategorie, sondern insbesondere auch für die Bereitstellung der notwendigen Unterlagen für eine erfolgreiche Antragstellung.

Für Unternehmen und Arbeitnehmer sind gerade die Bestimmungen für das Arbeitsvisum (Kategorie „Z“) von Bedeutung. In diesem Artikel wird der komplette Antragsprozess für ein Arbeitsvisum sowie die offizielle Arbeits- und Aufenthaltsgenehmigung der Volksrepublik China erläutert.

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Auswahl eines Vertriebsmodells für den chinesischen Markt

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Bei Investitionen in Chinas Medizintechnikindustrie, speziell wenn als Handelsunternehmen agiert werden soll, stellt sich eine wichtige Frage: Wie kann ein passendes Vertriebsmodell für China aussehen? Aufgrund meist unterschiedlicher Ziele von Investoren sowie unterschiedlicher Rahmenbedingungen gibt es kein Einheitsmodell, welches immer passt. Die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Modelle zu kennen, ist deshalb hilfreich um die richtigen Entscheidungen für das China-Geschäft zu treffen. Um dies zu verdeutlichen, haben wir die folgende Fallstudie entworfen.

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Übersicht: Der Markt für Medizintechnik in China

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CB-2014-11_China-Investment-Roadmap-The-Medical-Device-IndustryChina ist zu einem der vielversprechendsten Märkte für Medizintechnik aufgestiegen. Im Jahr 2013 betrug das Handelsvolumen für medizintechnische Gerätschaften RMB 200 Milliarden (fast EUR 26 Milliarden), und damit ist das Land laut dem US Commercial Service der zweit größte Markt der Welt. Selbst im Vergleich zu anderen Bereichen der chinesischen Wirtschaft ist der Markt für medizintechnische Geräte einer der am schnellsten wachsenden des Landes.

Wegen der Ein-Kind-Politik, die erst kürzlich gelockert wurde, wird bald ein massiver Anteil der chinesischen Bevölkerung über 60 Jahre alt sein, was der demografischen Verteilung vieler Industrienationen entspricht. Neben diesen Veränderungen haben steigende Lebensstandards zum gestiegenen Bedarf an medizinischen Produkten und Dienstleistungen beigetragen. Die chinesische Regierung hat es sich zur Priorität gemacht, das Gesundheitswesen zu fördern und besonders in die westlichen und zentralen Provinzen des Landes zu investieren, da dort die Qualität der medizinischen Versorgung hinterherhinkt.

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Wegweiser zu Mindestlöhnen in China

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SHANGHAI – Die seit einiger Zeit steigenden Lohnkosten machen China für ausländische Investoren zunehmend unattraktiver. Viele Investoren verlagern ihre Produktion deshalb in die Länder der ASEAN-Gemeinschaft. Auf Grundlage der Statistiken von 2014, wird jedoch eine Verlangsamung des Lohnwachstums in China ersichtlich, während die Zentralregierung zunehmend Druck zur Erhaltung der Wirtschaftswachstumsziele ausübt.

Die Bewertung der Löhne in China ist nicht so einfach, wie es zu nächst scheint. Komplikationen entstehen schon auf Grund der regionalen Unterschiede, Ausgaben für Sozialversicherung sowie häufigen Gesetzesänderungen. Es ist zu beachten, dass der tarifliche Standard für einzelne Städte, Provinzen und andere administrative Bereiche durch die jeweilige Lokalregierung individuell festgelegt wird. Eine Regulierung auf nationaler Ebene findet nicht statt. Weiterhin herrscht in den jeweiligen Hoheitsgebieten eine Lohnklassenunterteilung, in denen die Mindestlöhne abhängig von sozioökonomischen Bestimmungen variieren. Mindestlöhne unterscheiden zudem auch zwischen dem monatlichen und stündlichen Mindestgehalt (vorgesehen für Vollzeit- und Teilzeitarbeitnehmer). Der chinesische Arbeitsförderungsplan sieht vor, dass der Mindestlohn in jeder Gerichtsbarkeit mindestens einmal in zwei Jahren angehoben wird. Es ist dabei anzumerken, dass der Fünfjahresplan für 2011-15 eine durchschnittliche Erhöhung von 13 Prozent pro Jahr vorsieht.

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China-Regularien 2015: Umsetzungsplan für Zollsätze & neue Visabestimmungen

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China veröffentlicht den Zollsatz-Umsetzungsplan 2015

Am 12. Dezember veröffentlichte der Staatsrat den „ Umsetzungsplan 2015 für Zollsätze“, welcher die erhobenen Import- und Exportzollsätze auf bestimmte Güter und Geräte reguliert und vorübergehende Zollsätze für Produkte einschließlich Betriebsmittel und Zubehör für optische Laserkommunikationsgeräte sowie automatische Kabelverschweißmaschinen umsetzt. Die zeitweiligen Zollsätze, welche niedriger sind als der Zollsatz der Meistbegünstigungsklausel, wurden eingeführt, um den Import anzukurbeln und die Binnennachfrage zu befriedigen. Ebenfalls hat China die Steuersätze für Umweltschutzgerätschaften sowie elektronisch gesteuerte Bremsen für Elektroautos reduziert; Ethylen und Ferronickel werden für die inländische Produktion von Energieressourcen genutzt; Lipidsenkung von wirksamen Arzneimittelwirkstoffen; Macadamianüsse und anderer täglicher Konsumgüter. Der Plan ist am 01. Januar 2015 in Kraft treten. Eine vollständige Version der aktuellen Zollsätze kann hier gefunden werden.

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Asia Briefing Bookstore Catalogue 2013
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